Vom Sehen
Vom Sehen

Vom Sehen

Ich konnte sehen. Dich.

Ich hab gesehen,
wenn du glücklich, oder traurig warst.
Sah den Glanz und den Frieden, wenn Lebensleichtigkeit dich aufatmen, und glücklich werden ließ. Sah die Schatten und die Angst vor dem Dunkel, wenn dein ganzes Sein schmerzte und schrie.

Ich durfte sehen.

Dich.

Dich, und die unendlichen Weiten deiner verletzlichen Seele, dich, und die Schüchternheit deines sensiblen Herzens. Ich durfte sehen, wer du warst. Durfte sehen, wie stark deine Liebe war. Zu mir.

Ich hab gesehen,
wenn du dich einsam fühltest, wenn dein Herz um Halt und Wärme bat, so still und wortlos und voller Sehnsucht. Ich konnte deine Empfindsamkeit sehen, und dein Vertrauen. In mich.

In deinen Augen.

Ich sah deine Zuversicht, und deinen Glauben,
dass wir unseren gemeinsamen Weg niemals ohne den Anderen gehen würden. Dass wir uns niemals verletzen, uns niemals weh tun würden. Du, und ich.

Ich konnte dich sehen.

Ich habe nicht gesehen,
dass du deine Schmerzen, deine Traurigkeit nicht mehr aushalten konntest. Habe nicht gesehen, dass deine Sehnsucht nach friedlicher Stille größer und mächtiger geworden war, als deine Liebe zu mir, deiner Liebe zum Leben.

Ich habe nicht gesehen.

Hab nicht gesehen,
dass du unseren gemeinsamen Lebensweg verlassen wirst, dass du auf deinem einsamen Weg aus dem Leben, aus unserem Leben, ins Nichts verschwinden wirst. Still und leise, und für immer.

Ich kann sehen. Ich kann fühlen. Liebe, Sehnsucht, Schmerzen. Traurigkeit.

Ich sehe.

Schuld. Schuld. Schuld.

Für immer.

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