Pusteblumenwünsche
Pusteblumenwünsche

Pusteblumenwünsche

„…und ganz fest zu glauben, dass es Marzipanbäume gibt.“

…mit nackten Füßen im Dorfbach zu stehen und nach den kleinen Forellen zu grapschen und vergnügt zu quieken, wenn man ausgerutscht und mit’m Hintern ins Wasser geplumpst ist.

…kreischend vor dem Bullen auf der Weide wegzurennen, weil der und seine Vermehrungskugeln es gar nicht lustig finden, mit ner Flitsche beschossen zu werden.

…den Schwestern mit ner Blindschleiche grölend hinterher zu rennen und selbst flitzen zu gehen, wenn die durchtriebenen Rachebiester einen Nachts mit ner Taschenlampe im Mund „anmonstern“.

…es nicht abwarten zu können, bis der Eismann an heißen Sommertagen mit seiner Autobimmel bimmelt und Mama 30 Pfennige für drei Bällchen Mokka, Vanille und Erdbeere rausrückt.

…Omas Geschichten zu lauschen und dabei ihren heißen Vanillepudding mit Pflaumen zu schlabbern, mit ihr „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen und fröhlich lachend nach Luft zu schnappen, weil sie so hübsch fies kitzeln konnte.

…von Mama müde nach einem aufregenden Ferientag ins Bett getragen zu werden, eines der geliebten Grimms Märchen, mit ihrer sanften warmen Stimme vorgetragen, zu zuhören und einen Gute Nacht Kuss auf die Stirn zu bekommen, während der Mond so heimelig durchs offene Fenster leuchtet.

…Samstags in der Küche in der Zinkwanne zu baden, ordentlich eingeseift, kalt abgebraust und danach schön dolle mit einem großen nach Frische duftenden Frottee-Handtuch abgerubbelt, rosig glänzend erhitzt und nach Fichtennadeln schnuppernd, Salzstangen knabbernd und Zitronenlimo trinkend, „Bonanza“ zu schauen.

…mit Pippi Langstrumpf, Herrn Nilsson, dem kleinen Onkel, Tommy und Annika die spannendsten Abenteuer zu erleben und ganz fest zu glauben, dass es Marzipanbäume gibt, mit Jim Knopf Lummerland zu erkunden und mit dem Urmel aus dem Eis um die „Mupfel“ herum zu tanzen.

…Weihnachten fast kirre vor Spannung zu werden, was das Christkind wohl unter den Baum gelegt haben mag, an Ostern den Garten auf allen Vieren nach seinen Gaben zu durchforsten, an seinem Geburtstag die Kerzen auf dem Marmorkuchen auszupusten und die Geschenke mit großen neugierigen Augen auszupacken, und kindlich enttäuscht zu sein, dass es wieder keine Carrera-Bahn geworden ist, um sich aber dann noch mehr über die neuen Legosteine zu freuen.

…sich noch einmal die Knie auf dem Kopfsteinpflaster der Straße nach einer vergnüglichen Hatz mit den Nachbarskindern aufzuschlagen, allen ganz stolz nach der mütterlichen Behandlung die fetten Pflaster mit bunten Punkten zu präsentieren und plötzlich überhaupt keine bedauernswerten Schmerzen mehr zu haben, wenn man den mächtig großen Apfelbaum hoch kraxelt, um in der selbstgeklöppelten Holzbude genüsslich am Schokokaramellriegel kauend und feixend zu beobachten, wie der olle kauzige Nachbar zwei Häuser weiter nach seinen preisgekrönten Stallkarnickeln sucht, die man kurz zuvor feierlich und tierliebend in der Wildnis ausgesetzt hatte.

…mit Papa in der Morgendämmerung am Meer Seesterne und Muscheln zu sammeln, mit ihm in den Dünen Fangen zu spielen und sprachlos zu sein, dass er als Kind nie das Meer gesehen hat und gar nicht wusste, dass es Seesterne und Dünen gibt.

…den Duft von frischgemähtem Gras zu schnuppern, Pusteblumen in die Welt zu pusten, sich übermütig in der Heuscheune des Nachbarbauern zu wälzen, frisch gemolkene Milch von Klara, der schwarzbraunen Kuh zu kosten, auf der man reiten konnte und zu sehen, wie sich plötzlich Hühnereier bewegen und kleine gelbe Küken mit der Schale auf dem Kopf keck „Guten Tag“ sagen.

…Kinderkarussell zu fahren, die Ponys mit Zuckerwürfeln zu verwöhnen, weil man es blöd findet, dass sie immer im Kreis gehen müssen und die rosafarbene Zuckerwatte bis zum letzten klebrigen Fitzel genüsslich aufzulutschen.

…mit Lotti im Sandkasten kleine Burgen zu bauen und ihr mit voll geschmierter Mohrenkopfschnute zu gestehen, dass man sie und niemals nimmer nicht jemand anderes doll süß findet und ganz bestimmt nur sie heiraten möchte – um ihr in der 7. Klasse die Zöpfe lang zuziehen und dann doch lieber mit Jonas und seinen Murmeln spielen will.

…und mal wieder Rotz und Wasser flennen zu können, weil einem quengelnd nach Rotz und Wasser ist, die Beule am Kopf vom Kloppen mit dem Sohn von Frau Müller nebenan scheiße weh tut und man grad gar nicht wissen will, dass die Welt morgen längst wieder neue furchtbar aufregende Abenteuer zu bieten hat.

…mal wieder Kind zu sein, unbedarft, frei und mit einem Kirschlolly in der kindlichen Schnüss und überhaupt wegen dem, diesem, jenem und sowieso Vielem mehr. Mal wieder Klingelmännchen spielen, dem Nachbarn die Kirschen vom Baum klauen und vergessen, dass Erwachsen sein manchmal ganz schön doof ist.

Ganz schön doof.

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